Ingo Fröhlich im Atelier, 2020

Ingo Fröhlich

Der Zeichner Ingo Fröhlich

Als ich das Atelier von Ingo Fröhlich in der Berliner Torstraße 111 an einem kühlen Wintertag zum ersten Mal betrat, flackerte ein Feuer im Ofen, die Teekanne stand darauf. Ingo Fröhlich schenkte ein und legte Scheit um Scheit nach. Von den Wänden herab hingen seine großformatigen Zeichnungen in einem eigens dafür erfundenen Hängesystem. Immer wieder wurde umgehängt, um neue Diptychen und Triptychen von Zeichnungen zu präsentieren. Strich um Strich gearbeitet aus dem Rhythmus der Bewegung heraus – so wie in seinen Raumzeichnungen. Darin öffnet sich ein Kosmos schier unendlicher Möglichkeiten der Zeichnung, eines unendlichen Vokabulars im Notieren von erfahrener Welt. Das Atelier ist für ihn ein Raum der Erkundungen von Linien und Formen, von Zeichnungen und Installationen, Ordnungen und Anordnungen, von Wegen und Umwegen. Hier atmet die Freude und Lust am Experimentieren und Variieren. Die Wände sind angefüllt mit Skizzen und Notationen. Das Atelier ist ein unverzichtbarer Ort der Erkenntnis. ... Ingo Fröhlich konjugiert seine Bildideen mit konzeptueller Kontinuität durch, in Reihungen und Paarungen, die Differenz des Gleichen, die Themen immer wieder variierend. ....

Ingo Fröhlich analysiert mit den Mitteln und Möglichkeiten der Zeichnung die Natur und die Landschaft, ihre Bewegung und Veränderung. Dem Zeichnen als komplexem Vorgang geht ein jahrzehntelanges Suchen und Erkennen voraus, bevor die Vorstellungen über die Bewegung der Hand auf dem Papier Gestalt annehmen. ... Er folgt in seinen Zeichnungen dem Wechselspiel der Natur, ihren Erscheinungen und Formen, ihren Phänomenen und Gesetzmäßigkeiten, ihrer unendlichen Erscheinungsvielfalt. Es ist ein seismografisches Abtasten von Struktur und Schraffur und die Übersetzung und Abstrahierung zur Linie.

Die Arbeiten Ingo Fröhlichs widmen sich systematisch-konzeptuellen Erkundungen der Zeichnung über die Grenzen des Papiers hinaus. Dabei spielen Zeit und Raum ebenfalls eine wichtige Rolle. ...  Aus einem tiefsinnigen subtilen Abtasten erwachsen im Prozess des Zeichnens Erkenntnisse zur Wahrnehmung und Transformation von Welt, die in der Linie ihre Gestalt finden. »Zeichnungen sind Konzentrate von Zeit und Raum, Zukunft und Vergangenheit, psychischer, geistiger bis metaphysischer Erfahrung und Denken.« (Lucie Beppler)

Linien verwandeln die Fläche. Sie spielen mit Raum, Tiefe und Illusion. ... Es ist ein seismografisches Abtasten von Struktur und Schraffur und die Übersetzung und Abstrahierung zur Linie.

Das Spektrum seiner Zeichnungen reicht von streng konzeptuellen Kompositionen auf Papier und im Raum bis hin zu leichthändig lockeren Landschaftsskizzen, die auf Autofahrten quer durch Europa oder in stiller Abgeschiedenheit während des Atelier vagabond entstanden. ...

Ingo Fröhlich konjugiert seine Bildideen mit konzeptueller Kontinuität durch, in Reihungen und Paarungen, die Differenz des Gleichen, die Themen immer wieder variierend.

Auszug aus dem Katalogtext von Frizzi Krella, Farbe und Linie im Unendlichen, in: Je dessine le temps, tu peins l’instant/Atelier vagabond, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Berlin 2021, S.49-51.

 

 

Ingo Fröhlich

Geboren 1966 auf Norderney, 
Lebt und arbeitet in Berlin
1981-84 Ausbildung zum Schreiner (Nordernay)
1985-88 Ausbildung als Holzbildhauer, Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei Berchtesgaden
1992-98 Studium der Freien Plastik bei Prof. Inge Mahn (Diplom), Kunsthochschule Berlin Weißensee (KHB)
seit 1999 Gründung und Leitung des Kunst- und Projekthauses Torstraße 111 – Forum für zeitgenössische Kunst, Berlin e.V.
1999-2000 Meisterschüler bei Prof. Inge Mahn (KHB)
2000-02 Master of Art in interdisciplinary Studies, M.A. (KHB)
seit 2011 Zusammenarbeit mit der Malerin Ulrike Seyboth in zahlreichen Ausstellungs- und Katalogprojekten: Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment
  

Einzelausstellungen (Auswahl) 

2022ATELIER VAGABOND, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Maison de Heidelberg, Montpellier (F)
 Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Galerie Fenna Wehlau
 JOURNAL DE SÈTE | Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Le Réservoir – Art & Patrimoine, Sète (F)
 Atelier Vagabond – Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, BLMK – Brandenburgisches Landesmuseum für Moderne Kunst, Frankfurt/O
 Atelier Vagabond, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Le Rèservoir - Art & Patrimoine, Sète (FR)
2021Je dessine le temps, tu peins l‘instant, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Musées de Sens (FR) (Katalog)
2020Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Guardini- Stiftung, Berlin (Katalog)
2019D‘où je viens, les nuages dorment sur les montagnes, D‘où tu viens, la mer rêve dans le brouillard, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, FONDATION DU PIOCH PELAT – ARPAC, Castelnau le Lez/Montpellier (FR)
 Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Kulturfabrik – Kunstver ein Schopfheim
2017Je dessine le temps, tu peins l’instant – En dialogue avec Hérisson, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Ancien Trésor Public, Hérisson (FR) 
2016Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, blauhaus, Nürnberg
2015Je dessine le temps, tu peins l‘instant, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich en dialouge, PARC, Village des Arts et Métiers, Octon (FR)
 Zeppelin Archive, Galerie Listamenn, Reykjavik, mit Daniel Björnsson (IS) (Katalog)
2014Ich zeichne die Zeit, du malst den Moment, Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich im Dialog in Jena, Städtische Museen/Kunstsammlung Jena (Katalog)
2013Drawings, Galerie Hein Elferink, Staphorst (NL)
 Ankunft: Neue Musik, Zeitgenössische Oper Berlin, Performance zu For Bunita Marcus von Morten Feldman, Hauptbahnhof Berlin
2012Suomenlinna – Ulrike Seyboth & Ingo Fröhlich, Goethe-Institut Helsinki/HIAP (FIN) 
 Various, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Kunstruine, Berlin (Katalog)
2010Zeitensprung, Villa Henckel, Potsdam
2008neue Arbeiten, Einzellausstellung in der Ausstellungsreihe: Das erste Haus am Platz | Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2006anatomia del trazo y la linea, Ministerio de Escultura / Museo National des Artes Visuales, Montevideo, Uruguay (URY)
2004strik og liná, Galerie Kling og Bang, Reykjavik (IS)
2003zeichnungen, Ausstellungsraum gutleut 15, Frankfurt a. M.

Gruppenausstellungen (Auswahl)

2024Light up, Galerie Fenna Wehlau, München
2023Art Karlsruhe, Galerie Fenna Wehlau
2021Rosé auf Eis, WESTSIDE/Galerie Kleindienst, Leipzig
2020TORTORTOR 1:1:1, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin (Katalog)
 Liberté, FIGURE DE PROUE, Salles Saint-Pierre & La Fabrique, Avallon (FR) (Katalog)
2019Landpartie, Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Potsdam
2018NGORONGORO II, Berlin gallery weekend 2018 – Studios Jonas Borgart (Katalog)
 L‘art se fait nature, Vendémiaires d‘automne, Saint Mathieu de Trévieres (FR) (Katalog)
 Treffpunkt Gartensaal, Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf, Brandenburg
2016Ausgezeichnet, Galerie Hein Elferink, Staphorst (NL)
 paperfile on Tour, oqbo Berlin zu Gast in der Artothek, München
2014TRANSNORD, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2013Macht Kunst, Deutsche Bank Kunsthalle, Berlin (Katalog)
 Tarantula Tentacle, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2012Losito-Kunstpreis, Nominierung, Altes Waisenhaus, Potsdam
 paperfile, Galerie oqbo, Berlin
2011Hotspot Berlin, Georg Kolbe Museum Berlin (Katalog)
 drawing now, Drawing Centre Diepenheim (NL) (Katalog)
 drawings, Galerie Hein Elferink, Staphorst (NL)
 MMX 5, Berlin (Katalog)
2010Restmengen, Kunstverein Tiergarten / Galerie Nord (Katalog)
2009selected artists, NGBK | Katalog
2008Frieze Art Fair, mit der Kling og Bang Galerie, London (IS)
2007111 vs Kling og Bang, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2005schwarz auf weiß, Ausstellungsraum gutleut15, Frankfurt a. M.
2004linien, Galerie Fleisch, Berlin
2003haushalten, Galerie Pankow, Berlin
 Länderspiel, Ausstellungsraum gutleut15, Frankfurt a. M.
2002Kühle Räume Kühlräume, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2001ausgezeichnete räume, Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Berlin
2000light show, Galerie Wieland, Berlin

Auszeichnungen, Förderungen und Stipendien

2022       1. Preis und Wettbewerbsträger des Kunst am Bau Wettbewerbs für den Neubau der 48. Grundschule, Berlin (mit Ulrike Seyboth)
2021Arbeits- und Residenzstipendium, Le Reservoir Sète (FR)
2020INITIAL – Arbeitsstipendium der Akademie der Künste Berlin
 Arbeits- und Residenzstipendium, Stiftung Kunstdepot Göschenen (CH)
 Projektförderung Kunst- und Projekthaus Torstraße 111, Bezirkskulturfonds Berlin-Mitte
2019Publikationsförderung, Stiftung Kunstfonds Bonn
2018Arbeitsstipendium des MWFK, Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf
2017Artist in Residence, Mairie d’Hérisson, Auvergne-Bourbonnais (FR)
2015Artist in Residence, Village des Arts et Metiérs PARC, Octon (FR)
2013Artist in Residence in Flatery, unterstützt von Borgarstjórn-Isarfjördur, Vestfjords (IS)
 Projektförderung, Käthe-Dorsch-und Agnes-Straub-Stiftung Berlin
2012Arbeitsstipendium, Goethe-Institut Helsinki/HIAP, Suomenlinna (FIN)
 Projektförderung, Bezirkskulturfonds Berlin-Pankow
2010Projektförderung, Berliner Senat
2008-09Arbeitsstipendium, Berliner Senat
2008Internationaler Kulturaustausch vs. Island, Berliner Senat
2003-04DAAD Stipendium auf Island (IS)
2000-01NAFÖG Stipendium, Berlin
2000Nominierung zum bauhaus award 2000
1998 Mart-Stam-Förderpreis

Kunst im öffentlichen Raum

2021Ondes du temps, Kunst-am-Bau-Projekt/Bodenzeichnung im Cour épiscopale der Kathedrale von Sens (FR)
2018Wandzeichnung, Schloss Wiepersdorf
2015Eingeladener Wettbewerb, Kunst-am-Bau-Projekt in der Kita Pappelallee, Kulturamt Pankow
2014Eingeladener Wettbewerb, Kunst-am-Bau-Projekt im Logensaal, Frankfurt a. O.
2013Ankunft: Neue Musik, Zeitgenössische Oper Berlin, Performance zu For Bunita Marcus von Morten Feldman, Hauptbahnhof Berlin
2011Intervall, Ausgestaltung des Treppenhauses des Goethe-Instituts Helsinki im Rahmen der Designhauptstadt Helsinki 2011 – gefördert durch das Goethe-Institut Helsinki, Deutsche Botschaft (FIN)
2005Der Berg, Palast der Republik, in Zusammenarbeit mit raumlabor Berlin und Pyonen
2003Lichtinstallation im Außenraum, Ankauf einer Skulptur im Innenraum der Philipp-Schaeffer-Bibliothek Berlin, mit La Piazza
 Hotel Neustadt – HALL(O) Neustadt, Lichtinstallation zum Theaterfestival in Halle-Neustadt, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes, mit La Piazza
2002fassade fragile, UIA Congress rethinking space-time-architecture, mit der Künstlergruppe La Piazza, Berlin (Katalog)
2001mehr Licht, dauerhafte Lichtinstallation, Goethe-Institut Rotterdam, mit La Piazza (NL)
2000Transmediale Berlin, Lichtraum- und Fassadenprojekt
 bewegend, Kunst-und Projektraum Torstraße 111, Berlin
 Z 2000 – Positionen junger Kunst und Kultur, Akademie der Künste (Katalog)
1999metronom, Lichtinstallation Spreebogen, Siloanlage Lehrter Stadtbahnhof, Berlin
1998Studio 5 self generating city, Fassadenprojekt, Fischerinsel-Berlin

Raumzeichnungen

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