"Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn"

 

Fotografien von Bruno Augsburger und Holzskulpturen von Stephan Wurmer

6. März - 27. Juli 2020

  

 Bruno Augsburger und Stephan Wurmer setzen sich in unterschiedlichen Genres mit dem Thema Wald auseinander. Beide Künstler verbindet das intensive Erleben der Natur als Quelle der Inspiration. Ihre Werke zeugen von der Magie und Kraft der Natur, des Waldes und des Materials Holz im Speziellen. Wie der Titel der Ausstellung, ein Zitat aus der ersten Strophe von Goethes Gedicht "Gefunden", andeutet, tragen sowohl Bruno Augsburger als auch Stephan Wurmer den Ansatz, nicht zu suchen, sondern zu finden. 

Bruno Augsburgers Waldbilder sind während langer Aufenthalte in British Columbia und Yukon entstanden, wo er wanderte, fischte oder Lachse beobachtete. Wenn er etwas sucht, dann sind es die einfachen und archaischen Momente, die es nur draußen gibt. Die Natur ist für Augsburger wie ein Labor, ein Erfahrungsfeld für das Leben. Allein vom Angeln hat er gelernt, "dass die teuerste Angelrute, der richtige Köder, die perfekte Stelle, der perfekte Zeitpunkt keine Garantie dafür geben, ob der Fisch anbeißt. Diese Ungewissheit fasziniert mich", sagt Augsburger, "das ist es, was ich mit meinen Bildern einfangen möchte, die Unbezwingbarkeit". Der Schweizer Fotograf Bruno Augsburger (1968) studierte an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich. 15 Jahre lang reiste er in den Weiten Skandinaviens und Kanadas herum. Heute lebt er in Zürich und dem Bergdorf Ardez im Unterengadin. Ausstellungen im In- und Ausland.

Stephan Wurmers Ansatz ist der eines Archäologen. In seinen konstruktiven Skulpturen lässt er sich von den lebendigen Eigenschaften des Werkstoffs Holz inspirieren. Wurmer legt Schicht um Schicht frei und schafft so ein Spannungsfeld zwischen freiem Wachstum und gelenkter Gestaltung, so dass der Atem der Natur in seinen Skulpturen spürbar bleibt. Das Ergebnis sind meist äußerlich kompakte Formen wie Würfel, Quader, Zylinder und Kegel, die ein spannungsreiches Innenleben offenbaren. Einige der in der Wald-Ausstellung gezeigten Holzskulpturen nehmen eine Sonderstellung im Werk des Künstlers ein. Ihr Ausgangsmaterial fand Stephan Wurmer bei seinen Wanderungen durch die oberösterreichischen Berge. Stephan Wurmer (1956) studierte Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg. Seine Werke sind in öffentlichen und privaten Sammlungen sowie in Ausstellungen im In- und Ausland vertreten.

 

GEFUNDEN  

Ich ging im Walde 
So für mich hin, 
Und nichts zu suchen, 
Das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich 
Ein Blümchen stehn, 
Wie Sterne leuchtend, 
Wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen 
Da sagt' es fein: 
Soll ich zum Welken 
Gebrochen sein?

Ich grub's mit allen 
Den Würzlein aus, 
Zum Garten trug ich's 
Am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder 
Am stillen Ort; 
Nun zweigt es immer 
Und blüht so fort.

 

                                                                                                                              Johann Wolfgang von Goethe

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