Margit Hartnagel Portrait © Linda Nau

Margit Hartnagel

Ich verstehe jedes meiner Bilder als eine Annäherung an das 'ultimative Bild'.

Es gibt kein einziges absolutes Bild, es gibt immer Variationen, verschiedene Aspekte des einen, in Form einer seriellen Hängung.

Über einen langen Zeitraum habe ich die Möglichkeiten eines 'leeren Bildes' erforscht. Worauf nichts zu sehen ist und doch genug, um dieses Nichts - oder die Fülle zu sehen ist.

Etwas, das existiert - aber sich nicht fixieren lässt, sondern in ständiger Bewegung und Veränderung ist. Dieses etwas, was als Bild erscheint, an der Schwelle zwischen Konkretion und Auflösung, kann nur durch den Betrachter definiert werden. Jeden Moment auf's Neue, als den Moment, der – jetzt – ist. Keine Geschichte, keine Form, keine Botschaft, keine Idee. Damit fühle ich mich mit Ad Reinhards, Mark Rothkos oder Agnes Martins Ansatz verbunden.

Aber weder will ich ein absolutes, objektives ‘cleanes‘ Bild erschaffen, noch eines als relative, subjektive Geste.

Mein Ansatz ist es, diesen Dualismus zu beheben und zu überwinden.

Die großen Leinwände sind übersäht vom Hauch wie zufällig gefallener Blütenpollen, reich an Farben, reich an Kraft und doch schwebend. Die unscharfen Farben pulsieren, die Pigmente scheinen zu duften und entfalten eine polyphone Sinnlichkeit. Wer Margit Hartnagels Malerei erstmals begegnet, fühlt sich „von stillen Gegebenheiten“ umfangen, die mitten „ins Herz hineinrauschen“, wie es zwei ihrer Ausstellungstitel treffend umschreiben. Dass es sich dabei um mehr handelt, als um einen Ästhetizimus der gehauchten Farben, die sich im weißen Grund verlieren, wird spätestens im Gespräch mit der Künstlerin deutlich, deren Poesie sich auch literarisch und philosophisch artikuliert. Was heißt eigentlich, am richtigen Platz zu sein, so fragt die Künstlerin, und welchen Raum füllen wir aus? Wohin führt uns der Weg? In welchem Verhältnis zu den anderen stehen wir? Wie sieht eine Gesellschaft aus, die wir uns wünschen? Kann es Utopien geben und wenn ja welche? Fragen über Fragen. Die ungegenständlichen Werke Margit Hartnagels lesen sich so wie Chiffren abstrakter Überlegungen, die im Kontext ihres Lebens eine künstlerische Entwicklung ausbreiten, die sich von den Rändern hinein ins Zentrum bewegt.

Betrachten wir ihre noch im Wiener Atelier um die Jahre 2011 und 2012 entstandenen Arbeiten, so finden sich dort Leerräume, die gleichsam von den Rändern her ausgelotet werden. Diese Werke aus dem LICHT-Zyklus sind malerische Grenzgänge, die das gerade noch Erkennbare erkennen lassen, um sich schließlich in der Bildmitte gänzlich zu verlieren, wohl wissend, dass das Schwebende im Zentrum immer noch die ganze Fülle enthält, vielleicht gerade deswegen, weil wir sie mehr erahnen als ersehen. Das Nichts hält also immer noch genug bereit, um für sich da zu sein. „Ruhe in dir und sei wach!“ ruft uns die Künstlerin in einem ihrer großartigen Aphorismen zu, in denen sich Poesie und Pigment auf feine Art verschwistern. Margit Hartnagel proklamiert darin eine Haltung gegenüber dem Leben sowie zu ihrer Bildwelt, die in ihrer grandiosen Weite einen Moment der Stille und ein Innehalten im Meer subtiler Farbtöne bedeuten. Zugleich erfordern sie einen hohen Grad an Präsenz und Wachheit, der erst jenes Erleben ermöglicht, welches das Leben zum Erlebnis macht. Wer sich darauf einlässt, spürt: Diese Bilder wollen umfangen und lassen nicht mehr los.

Die Poesie solcher Bilder will ergründet sein. Einerseits erleben wir die Fülle, auf der anderen Seite das Nichts, das kaum Fassbare, die ewige Suche, das Neblichte. Ist es das Unermessliche, das Transzendente, in dem wir seit der Romantik, dem eigentlichen Auftakt zur Moderne, vergebens die Schwelle zu überschreiten suchen, verkennend, dass sich doch alles irgendwo verflüchtigt? Margit Hartnagel liebt und sucht solche Widersprüche, die sich im Nichts fluider Farbnuancen leichter auflösen lassen als durch rationale Argumentation.

Der Raum dazwischen, den Margit Hartnagel in ihren Bildern umfängt, ist kein Vakuum, kein Leerraum, aber doch ein Blick ins Unergründliche. Das ist auch bei der schon im Wangener Atelier entstandenen Serie NO CIRCLE der Fall, wo wir eine Annäherung zweier fast sphärischer Farbelemente erleben, die aufeinander zudriften und deren oszillierende Farblichtbögen sich doch nie berühren. So etwas verunsichert, zieht uns gleichsam den Boden unter den Füßen weg, sei es, weil wir weder Halt finden noch Möglichkeiten erkennen, uns in irgendeiner Form zu orientieren. Und doch übt es eine geheime Faszination aus und damit jenes gemischte Gefühl des Erhabenen, das schon Friedrich Schiller als Empfindung zwischen Wonne und Entsetzen beschreibt, als lasse sich eine Brücke erahnen zwischen den Polen Hell und Dunkel, eine Erfahrung, mit der uns im 20. Jahrhundert Künstler wie Barnett Newman aufs Neue konfrontierten und irritierten. Sich im Raum dazwischen zu bewegen, suchend, heißt immer auch ein Stück „Wandern am Abgrund“. Dieses sublime Stochern im Nebel hat der Bildenden Kunst zugleich jenes Tor zur Freiheit geöffnet, von der sie bis heute profitiert. Denn wo das Unergründliche zum Thema wird, verliert sich alle Bindung an den Gegenstand und damit auch der Zwang, ein Abbild einer Welt zu schaffen, welches sowieso nur eine Illusion bleibt. Solcher Kunst geht es allenfalls um den Geist der Natur und nicht um diese selbst. Was wir sehen, fühlen, spüren ist ein Konstrukt, eine Schimäre unseres Seins, wie unser Denken, das gerade daran scheitert, dass wir stets nach Deutung streben, selbst dort, wo unser Ansinnen naturgemäß versagen muss und jede Spur, jedwede Kontur sich im Vagen ganz verliert. Wer diese Erkenntnis für sich findet, wird selbst befreit, legt Lasten ab und blickt mit besonderer Leichtigkeit auf eine Welt, die eines dringlich braucht, was uns die Bilder liefern: Gelassenheit und Tiefe. Es ist eine Empfindung, die ihre Kraft von innen her bezieht, so wie es ein von der Künstlerin zitierter Zenmeister im 13. Jahrhundert aussprach: „Wendet das Licht nach innen und schaut, dann tauchen die Dinge daraus auf. Es ist euer wahres Gesicht“. Es ist die große Kunst Margit Hartnagels, dafür in ihrer Malerei eine überzeugende Analogie gefunden zu haben. Ihre Malerei führt zu eben dieser Erfahrung und Erkenntnis, für die sie steht.

Die Bildtafeln Margit Hartnagels erfordern Zeit. Versenken wir uns in diese Bildwelt, belohnen uns die Bilder mit nicht enden wollenden Wahrnehmungserlebnissen. Die zurückgenommene Farbigkeit, die auf jegliche Konturen verzichtet, lässt unser Auge wandern und in den Bildraum tauchen; unversehens schweifen unsere Gedanken jenseits des Wahrnehmbaren in andere Welten, in Denkräume, die aus uns selbst geboren, uns mit dem eigenen Dasein konfrontieren. Was leer erscheint, wird so zur Fülle. Aus dem Nirgendwo wird Hier. Aus dem Nichts: Alles.

Dieses innere Licht manifestiert sich im Malprozess zuvor in einer handfesten Materialität. Dabei hat die Vorbereitung der Malmittel durchaus Züge des Sakralen: Die in harzhaltige Weihrauchmilch gelösten Pigmente werden in mehreren, wiederholt feingeschliffenen Schichten auf eine Kasein-Marmorweiß-Grundierung aufgetragen. Jenseits der Farbe beginnt dann Margit Hartnagels Malerei mit und in der Materialität des Bildträgers. So wie das Licht den Dingen erst ihr Wesen eingibt, so haucht Margit Hartnagel den Bildkörpern mithilfe der aufgetragenen Pigmente behutsam Leben ein. Diese Leichtigkeit kommt ohne den Einsatz eines Pinsels aus. Es entstehen keine Abbilder des Lebens, sondern etwas, das sein Leben der Kontemplation der Künstlerin entlehnt. Dabei geht es um alles andere als Esoterik. Es geht um Fragen nach dem woher, nach dem wohin, nach unserer Identität. Diese Malerei ist im besten Sinne wahrhaftig, eine Art Selbstermächtigung jenseits traditioneller Hierarchien, lotet sie doch in sehr konsequenter Weise die subtilen Bereiche ihrer künstlerischen Möglichkeiten aus, eine Malerei, die nicht allein um ihrer selbst willen bestehen will, sondern sich und damit uns an die Grenzen dessen führt, was wir sinnesmäßig erfassen können. Es sind fluide Wahrheiten am Rande des Wahrnehmbaren. Bilder auf dem Weg zur eigenen Mitte.

Gerade die jüngsten Arbeiten scheinen diesem Ziel sehr nahe: ARISING COLORS. Erstmals gehen die Farben den Weg in die Mitte, erkunden den Raum nicht von den Rändern aus, sondern bewegen sich in der Fülle des Raums, gleichsam „mitten im Leben“. Es ist eine Art Eintauchen und Wiedererwachen, ein Sich-im-Bild-Bewegen. Die Künstlerin wagt sich damit ins Auge des Orkans, das selbst ein Ort der Stille ist. Zugleich erfüllt sich im Zyklus ARISING COLORS  eine gesellschaftliche Utopie. Der zugrunde liegende Malakt wird zur performativen Allegorie: Farbtropfen fallen auf die plane nasse Leinwand, diese saugt die Pigmente in sich auf, Nachbartropfen gesellen sich dazu, dehnen sich aus und treten in Interaktion mit anderen, verschmelzen, lösen sich auf, ergeben ein pulsierendes Feld von Beziehungen und Verbindungen. Ein Ideal verwirklicht sich im Bild. Was die Betrachter darin finden, ist nicht nur Erkenntnis, sondern Schönheit, eine Ästhetik des Feinen, des Zarten, des geradezu Zärtlichen. Und wer wie die Künstlerin Margit Hartnagel den klaren Weg geht, das Absolute sucht, im Bewusstsein, dass es eine Suche bleibt und sich dabei keinen Vorgaben und Zwängen unterwirft, dem ergeht es irgendwann wie jenen Wissenschaftlern, die nach langer Suche eine Erklärung für das Komplizierte finden, eine Gleichung, die durch Einfachheit frappiert und dabei den Kosmos wunderbar erklärt.

Nichts erläutert uns besser den malerisch-philosophischen Prozess der Bildentstehung als der folgende Satz Margit Hartnagels: „Am Anfang ist das Bild leer, leer ist es am Ende. Dazwischen habe ich gemalt“.

Ähnlich ergeht es den Betrachtern der wohl kalkulierten Bildräume. Ihre Bildkörper pulsieren am Übergang von Licht und Dunkel, von Tiefe und Nähe. Es ist eine Welt der Leere und Fülle, in der Materielles und Immaterielles zugleich präsent sind. Nichts gibt uns halt. Dennoch stürzen uns die Bilder Margit Hartnagels nicht in eine aussichtslose Melancholie. Ihre Malerei antwortet auf die wesentlichen Fragen der Welt mit einer durchaus heiter angemessenen Nachdenklichkeit, die uns einen Weg erahnen lässt, der sich im Kosmos ihrer Welt verbirgt und doch auch zeigt. Die Künstlerin ist sich bewusst: „Es ist unser Licht, nicht unsere Dunkelheit, die uns am meisten ängstigt“ (Nelson Mandela).

Martin Oswald (2021)

Mechtild Widrich:

„weißes, feines, fragiles gewebe, über den rahmen gespannt, körper mit außenfläche und einem dahinter“, so beschreibst du selbst deine Arbeiten. Um was geht es genau?

Margit Hartnagel:Es geht darum, zu „den Gegebenheiten zu kommen“ – so habe ich das formuliert. Der Ausgangspunkt, also die Bedingungen von Kunst sollen wahrgenommen und reflektiert werden. In meinem Fall das Medium Malerei. Zunächst muss das Material, also der Bildkörper, der Stoff oder Träger sowie die Farbe als Voraussetzung für ein Bild erkannt werden. Es ist diese Beobachtung, die ich in meine Arbeit einbeziehe, und nicht etwas, was ich mir ausdenke – sei es etwas Vergangenes oder etwas, das ich in die Zukunft projizieren möchte. Ich möchte das sichtbar machen, was ich in diesem Moment vor mir sehe und wie ich es in diesem Moment vor mir sehe. Ohne aber bei dem zu verbleiben, sondern vielmehr als Ausgangspunkt.
Mechtild Widrich: In deinen Arbeiten fällt eine Spannung auf, zwischen der schon angesprochenen Betonung des Materiellen – also eine gewisse Selbstreferentialität – und der Auflösung dieser Materialität. Das einzelne Bild scheint mit dem Umraum zu verschmelzen, weil es mit dem Blick nicht fixiert werden kann. Die rein optische Erfassung und Abgrenzung ist sehr schwierig. Das Immaterielle wie das Licht, aber auch das Raumgefühl, werden dadurch sehr präsent. 
Margit Hartnagel:Ja, es soll nicht die Wichtigkeit des einzelnen Bildes hervorgehoben werden, sondern ich versuche, alles in Bezug zu setzen. Es geht um Verhältnisse, zwischen Bild und Raum, Bild im Raum und Raum im Bild – darum arbeitet ich auch meistens seriell und es gibt viele ähnliche Bilder nebeneinander, die ich als Installation anordne.
Mechtild Widrich: Gibt es einen direkten Bezug zum Betrachter und dessen Wahrnehmung? 
Margit Hartnagel:Ich kann nicht vorgeben, was sichtbar wäre. Meine Arbeiten sind nur soweit ausformuliert, dass der Betrachter gefordert wird. Das Unscharfe hebt den Sehprozess selbst hervor. Im Moment des Betrachtens kommt es zu einer Erfahrung der Jetzt-Zeit, man muss in diesem Moment den Arbeiten etwas entgegen setzen, weil es keine Möglichkeit gibt, sich optisch an etwas festzuhalten. Jede/r muß für sich die Grenze selbst definieren, weil ich sie nicht vorgebe. Die Grenze ist für jeden woanders. 
Mechtild Widrich: Diese definiert sich über den Betrachter? 
Margit Hartnagel:Erst kürzlich habe ich jemandem meine schwarzen Arbeiten präsentiert. Er hat nur kurz hingeschaut und sich dann mit den Worten weggedreht „damit will ich mich nicht konfrontieren“. Ich fand das sehr überzeugend in dieser Eindeutigkeit. Es ist sicher eine Herausforderung, mit den leeren Flächen umzugehen und sich ihnen zu stellen.
Mechtild Widrich: Es gibt ja auch über den Titel keinen Anhaltspunkt. Zu meiner Verwunderung habe ich dann aber den sehr poetische Titel einer Serie aus dem Jahr 1999 entdeckt: „Nie erreicht der Berg den Himmel“. 
Margit Hartnagel:Hm. Ich schreibe immer parallel zu meinen Arbeiten, oft in Form von poetischen Fragmenten. Ich schreibe vor den Bildern. Manchmal verwende ich dann diese Begriffe, ich mache das aber ungern. Für mich selbst habe ich in letzter Zeit zur Unterscheidung der Werke Bezeichnungen verwendet, die sehr mathematisch abstrakt sind: BQ 1/26 wäre die Nummer eins aus der aus 26 Werken bestehenden Serie der brauen Quadrate etwa. Ich finde die mathematische Bezeichnung – abgesehen von „Ohne Titel“ – am angemessensten.
Mechtild Widrich: In früheren Arbeiten wird auch der Bezug zum Raum viel direkter ausgelotet.
Margit Hartnagel:Parallel zur Malerei habe ich räumliche Arbeiten gemacht. Ich habe große, durch Einölung transparente Papierschichten in Räume gehängt und eine Situation geschaffen, in der man herumgehen konnte und sich immer wieder hinter oder zwischen den Papierbahnen befunden hat. Diese haben die Bewegungen des Betrachters aufgenommen und es wurde das normale Empfinden eines Raumes, in dem alles stabil bleibt und man das einzige ist, was sich bewegt, umgedreht. Dadurch ist ein Zustand entstanden, der gleichzeitig grenzenlos und begrenzend war. Über die Erfahrung der Fragilität wird die Person aufgefordert, sich mit der momentanen Gegebenheit auseinanderzusetzen. Letztendlich ist das Vergängliche und Fragile ein Grenzzustand.  
Mechtild Widrich:Wie bist du dann wieder auf das Bild gekommen?
Margit Hartnagel:Dieser Schritt von der Malerei in den Raum interessiert mich nicht mehr, ich möchte vielmehr die Erfahrung, sich in einem Raum zu befinden wieder in das Medium der Malerei zurück bringen. Oft wird es als fortschrittlich betrachtet, von der Malerei endlich in den Raum zu kommen, für mich ist die Weiterentwicklung, die Malerei im Raum sowie die Übergänge und Abhängigkeiten sichtbar zu machen.
Mechtild Widrich:War dieser Schritt für dich schwierig?
Margit Hartnagel:Ich hatte oft das Gefühl, dass ich mich dafür rechtfertigen müsste, nicht vom Bild wegzugehen. Für mich war diese Frage sehr quälend und ich habe die Malerei permanent in Frage gestellt. Jetzt aber ist mir völlig klar, dass es diesen Zusammenhang mit dem Raum insoferne gibt, als ich die Erfahrung des Raumes in und mit der Malerei sichtbar mache – ohne Perspektive.
Mechtild Widrich:Inwiefern ist das Moment der Wiederholung bedeutsam?
Margit Hartnagel:Der Begriff der Zeit spielt sicherlich eine wesentliche Rolle. Die Wiederholung der Tätigkeit und die Langsamkeit des Malvorganges beim Auftragen der einzelnen Schichten, die auch ziemlich lange zum Trocknen brauchen, ist hervorgehoben. Dieses Tun wird zur Zeitlosigkeit. Jeden Tag eine Schicht, immer wieder und immer wieder. Es hat auch mit dem Aufstehen am Morgen und Schlafengehen am Abend zu tun. Immer wieder das selbe, und immer wieder ein anderes.
Mechtild Widrich:Also ein Gegenkonzept zum emotionalen Ausbruch?
Margit Hartnagel:In gewisser Weise entstehen die Bilder sehr beiläufig. Ich habe ja nichts zu malen im klassischen Sinn. Den Stress, nicht zu wissen, was ich malen soll, den figurative Maler oft haben, den kenne ich nicht. Ich versuche immer festzulegen, was ich festlegen kann. Seit fünf Jahren arbeite ich hauptsächlich mit den gleichen Formaten, 45x45x6 cm und 120x150x6 cm, und dem gleichen Material. Andererseits muss ich mich mit meinen Emotionen vor dem Bild auseinandersetzen, ich muss sie wegräumen, weil ich sie nicht im Bild verräumen kann. 
Mechtild Widrich:Du schreibst einmal, dass das Sehen erst beginnt, wenn der Blick zur Ruhe kommt. Das Sublime in seiner klassischen kunsthistorischen Bedeutung kommt mir bei deinen Arbeiten natürlich auch in den Sinn. Siehst du dich in einer Entwicklung, in der etwa Caspar David Friedrich und Barnett Newmann stehen?
Margit Hartnagel:Ich denke schon, dass ich in dieser Entwicklung stehe. Mich hat dieser Begriff immer wieder beschäftigt. Wenn ich an den „Mönch am Meer“ denke, dann hat dieses Bild doch noch viel von etwas, das in der Vorstellung passiert und dann sehr erzählerisch im Bild dargestellt wird. Bei den amerikanischen Abstrakten drückt sich zunehmend die Erfahrung selbst aus und das Bild wird autonom. 
Mechtild Widrich:Früher hast du meist mit den Nicht-Farben schwarz und weiß gearbeitet, in deiner neuesten Serie kommst du von weiß ausgehend zu sehr zarten Farbtönen, die wie ein Versuch wirken, das Licht des Raumes einzufangen.
Margit Hartnagel:In diesem Zusammenhang geht es wiederum sehr stark um den Sehprozess, darum, das Licht zu sehen (um zu sehen). Für mich sind diese neuen Arbeiten einerseits wieder näher am Gegenständlichen, weniger abstrakt als die schwarzen und weißen Bilder, andererseits ist die Leinwand sehr fein und die Farbe mit viel Flüssigkeit aufgetragen, so dass keine Struktur sichtbar wird. Dadurch wirken sie sehr immateriell und machen das eigentliche, das gesehen werden kann, sichtbar: das Licht selbst. 
Mechtild Widrich:In einer Benjaminschen „Ferne, so nahe sie auch sein mögen“?
Margit Hartnagel:Ja, da sind wir wieder bei dem Sublimen. Ich möchte das Konkrete und das Immaterielle gleichzeitig herstellen. Manchmal befürchte ich, dass ich genau daran scheitern werde. Meist wird das eine gegen das andere ausgespielt, mein Anliegen ist aber die Verbindung von beiden. Darum dreht sich meine Arbeit. Das empfinde ich als zeitgemäß.

 

 

Margit Hartnagel

1970geboren in Ravensburg
1995-2000Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste, Wien bei Prof. Hollegha, K. Hikade, F. Graf, Prof. Prachensky
1998-2001Studium Experimentelles Gestalten und Raumkunst, Universität für Angewandte Kunst bei Prof. Kowanz
2000Atelierstipendium im Kulturzentrum Nairs, Engadin, Schweiz
 Studienaufenthalt in Japan
  

Einzelausstellungen

2021Kaishi im Warteraum, Wartehalle im Bahnhof Schondorf
 Kaishi, Studio Rose, Schondorf am Ammersee
2020Arising Colors, Galerie Fenna Wehlau, München
2019Papierarbeiten, Kornhausgalerie Weingarten
2018ins herz hinein rauschen, Galerie Fenna Wehlau, München
2017Space Between, Kreissparkasse Ravensburg
2016Alles ist nirgendwo", Villa Claudia, Feldkirch
2014Stille Gegebenheiten, Stiftung BC-pro arte, Biberach
2010Light Movements, Remise/Galerie allerArt, Bludenz
  

Gruppenausstellungen

2022Selections I, Galerie Fenna Wehlau, München
2021Skulptur-Malerei-Architektur, Galerie Fenna Wehlau, München
2020Und plötzlich weisst Du: es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen, Dreieinigkeitskirche, München-Bogenhausen (mit Eberhard Ross)
 Die Fülle des Nichts, Kunsthaus Caserne, Friedrichshafen
 BILD KLANG/KLANG BILD, Galerie Gudrun Selz, Freiburg
2019WOMAN IN PRINT, Galerie Krems, Krems a. d. Donau
 Black&White, Galerie Fenna Wehlau, München
 Art Karlsruhe, Galerie Fenna Wehlau, München
201870. Große Schwäbische Kunstausstellung, Schaezlerpalais Augsburg
 BILD KLANG/KLANG BILD, Galerie Fenna Wehlau, München
2017LUMEN, Margit Hartnagel/ Doris Marten, LOFT + St. Gumbertus in Ansbach
2015kunstzeit 24, Raum der Stille, Universität Linz
 4 Räume – 4 Künstlerinnen, KUBA, Wasserburg
 Schwarzmarkt, Galerie Lachenmann, Konstanz
 "Baenzinger, Hartnagel, Roth-Studach", Galerie Kapfsteig, Zürich
 Gelassen wirkt das Unergründliche, Städtische Galerie in Isny
2014Kunst Oberschwaben 1970 bis heute, Schloss Achberg, Achberg
2013Wa – aus der Welt der Stille, Shiwory Gallery, Okayama, Japan
2012Japan – Fragilität des Daseins, Museum Leopold, Wien
 Montag ist erst übermorgen, Sammlung Kupferstichkabinett, "X hibit", Akademie Wien
 MA - raum dazwischen, Galerie Artmark, Wien
 last vienna paintings, Stuckgasse 11, Wien
 vier positionen, Kunstverein Steyr, Schloss Lamberg, Steyr
2011ON – positionen der stille, Galerie in der Schmiede, Linz
20092.Internationaler Adre-Evard-Kunstpreis, Ausstellung der Nominierten, Messmer Foundation, Riegel
2008Geometric Figures, Galerie ArtMark, Wien
 Pieter Vermeersch/ Margit Hartnagel/ Justin Benett, CCNOA, Brüssel
 artoffice under construction, 2-teilige Wandarbeit (Moving In/ Moving Out), Verbund-Austrian-Power Grid AG,IZD Tower, Wien
 "...darf es etwas weniger sein?", pp projects, Hamburg
 ArtmArt, Künstlerhaus, Wien
2007die Kunst des Liegens vor der Kunst, Designpfad 07, mit dem Designerduo Exner/Burzler, Atelier Stuckg. 11, Wien
2006THEAUSTRIANABSTRACTS, Arti et Amicitiae, Amsterdam
 Perspektiven 06, Galerie ArtMark, Wien
2005"Margit Hartnagel/Barbara Höller", Galerie Wolfrum, Wien
 Vienna Transit, Kunsthalle Mintrop, Düsseldorf
 Offene Weite,grat/ Stuckg. 11, Wien
2004Förderpreis 2004, Graf -Zeppelin- Haus, Friedrichshafen
2003Te Huur-Raumforschung, Wien
 Margit Hartnagel, gugler forum melk, Pielach
 Himmelschwer. Transformationen der Schwerkraft, Joanneum,Graz
 Himmelfalden, Kunsthallen Brandts Klaedefabrik, Odense
 art position 2003, Wien
 Abstraction Now, Künstlerhaus Wien
 art position at Sotheby´s, Wien
 danke für die illusionen, grat/ beckmanngasse 52, Wien
 Form ist Leere, Leere ist Form, Wittgensteinhaus, Wien
2002contemporary art feat. schwarz & weiß, Galerie Art & Weise, Wien
 continue.continue, grat/ beckmanng. 52, Wien
2001Hartnagel / Petschnig, Kanzlei Rothenbuchner, Wien
 private studio / open view, Studio Preysinggasse, Wien
 Female Sensibility, Galerie Charim, Salzburg
 quaterly, Sotheby's Wien
 Kunstmesse Wien, Galerie Charim
2000ab/ an, Kupferstichkabinett, Wien
 Diplome 2002, Akademie der bildenden Künste, Wien
 Curraint d'ajer, Kulturzentrum Nairs, Scoul (Schweiz)
1999Würzl, Hardi, Hartnagel, Galerie Tetrasoft, Bratislava
 Malzeit, Akademie der bildemden Künste, Wien
19987 Nights Gallery, Galerie Station 3, Wien
 Da - Zwischen - Da, Galerie Kunsttreff Küniglberg, Wien
1997Jam, Semperdepot, Wien
 Hartnagel, Watzal, Buchegger, Akademie der bildenden Künste, Wien
 87 x 55 x 22, Projekt der Initiative Rhein – Ruhrkunst, Duisburg
1996Pulverschnee2, Salzburg 
  

Preise

2000Meisterschulpreis
2004Förderpreis der Stadt Friedrichshafen
  

Öffentliche und private Sammlungen

Stadt Wien 
Kupferstichkabinett, Wien
Museum Leopold (Privatsammlung), Wien
Sammlung Angerlehner, Thalheim bei Wels
Sammlung Urban, Waidhofen/ Ybbs
Sammlung Stiftung S BC-pro arte, Biberach
 

Kunst am Bau

Projekt 2019: Künstlerische Intervention für das Neue Gebäude des Instituts für soziale Berufe in Ravensburg
Neugestaltung eines Abschiedsraumes im Barbarfriedhof in Linz; 2016
Glasfenster für die Kirche St. Anna in Steyr; 2015
Glasfenster für die Kapelle der Benediktinerinnen im Liebhartstal, Wien; 2014

 

 

arising colors

ins herz hineinrauschen

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